Besonders in den Tagen vor der aktuellen DELTA MACHINE TOUR, wurde auch aufgrund der Veröffentlichung des Buches MONUMENT besonders ein Thema gern von den Medien aufgegriffen: DEPECHE MODE - der Fan in der DDR und im Ostblock! Da wir uns zwangsläufig dazu zählen dürfen und unsere Leidenschaft zum Großteil eben gerade diesen Weg ging, versuchen wir das mit den folgenden Zeilen in Worte zu fassen:))

Die Fankultur um die Band ist zweifellos eine der engagiertesten weltweit. Die tiefe Treue und die Dankbarkeit der Fans in all ihren Facetten, ist Sinnbild für eine kompromisslose Liebe zum Sound und zur Band. Trotz der zum Teil extrem negativen Phasen in der Bandhistorie, blieb die Fan-Treue stets ungebrochen, verstärkte sich sogar. Auch die Wandlungen der Band in musikalischer Ausrichtung und den Arrangements der Songs - besonders nach dem Ausstieg von Alan Wilder - taten der Treue keinen Abbruch und wurde vom überwiegenden Teil der Fangemeinschaft akzeptiert. Trotzdem flammt auch heute noch die Hoffnung nach einer Reunion zur 4er Band regelmäßig auf. Bestärkt wird dies durch eine erneute Zusammenarbeit mit den beiden ehemaligen Bandkollegen Vince Clarke (VCMG) und Alan Wilder - ob in Soloprojekten, Beteiligungen an Remixalben oder sogar Gastauftritten (Teenage Cancer Trust – Alan Wilder).

Ab wann die Songs in Radiosendungen der DDR gespielt wurden, lässt sich für uns nicht mehr nachvollziehen. Die erste Begegnung fand aber für die meisten Fans in Discos, im Jungendklub oder beim Hören und Mitschneiden von Radiosendungen der Bundesrepublik statt. Sicherlich ist auch dies regional unterschiedlich - aber die Bayern 3 - TOP 10 - dem einen oder anderen noch im Ohr. Bilder und Texte wurde oft in den Schulklassen als Mitbringsel der „Westbekanntschaft“ gehandelt, kopiert (Fotokopien) und verbreitet. Besonders Songtexte wurden aus Jungendzeitschriften gesammelt oder abgeschrieben und in „Vokabelheften“ archiviert. Ob aus der Bravo oder dem Urlaub im liberaleren Ungarn, jeder Besuch wurde auch zum Kauf von Zeitschriften, Buttons, Stickern und Platten genutzt. Fernsehauftritte hingegen waren bis kurz vor Ende der 80er Jahre nicht im Fernsehen der DDR zugängig und konnten – je nach Erreichbarkeit - nur in den Jugendsendungen der BRD gesehen werden.

Die gemeinsame Basis der Fankultur in Ost und West ist zweifellos der Sound. Obwohl auch andere Bands das Sampling in Verbindung mit aufgenommen Klängen von Industrieanlagen, Maschinen, Haushaltsgegenständen usw. nutzten, schufen die 4 Bandmitglieder gemeinsam mit engagierten Tontechnikern, Produzenten und dem Management eine bis dato unerreichte Perfektion und Symbiose zwischen Komposition, Arrangement, künstlichen Tönen und den beiden tragenden Stimmen vom Gahan und Gore. Der anfänglich beabsichtigt rein synthetische Sound wandelte sich über die Jahre zum Mix aus Synthi- und Electropop mit deftigen Rockelementen auf „echten“ Instrumenten. Aktuell beschreiten die 3 Herren den Weg zum Blues und verankern dieses bereits im Titel des aktuellen Album DELTA MACHINE.

Die breite Erreichbarkeit der Band hingegen - ob in Material, Platten und Auftritten für den bundesdeutschen bzw. westeuropäischen Fan, ist der signifikante Unterschied zum „Ostler“. Neben einer gewissen Mythenbildung um die Band und einer zunehmenden Ausprägung der DDR DM- und Gothicszene, ist eben genau diese Unerreichbarkeit letztendlich Basis für das andauernde Gemeinschaftsgefühl. Man zählte sich trotz der Abgrenzung zu einem kaum erfassbaren aber weltweitem Kreis. Der Fan in der DDR musste sich letztendlich auch mit der Tatsache konfrontieren, niemals der Band nah sein zu können oder diese gar Live zu erleben. Die wenigen (meist unbekannten) Ausnahmen waren die Konzert 1985 & 1988 in Budapest, 1985 in Warschau, 1988 in Prag oder ebenfalls 1988 das einzige in Ost-Berlin. So blieb dem Fan in der DDR nur eins übrig: dieser „MODEerscheinung“ soweit als möglich zu folgen, im Aussehen zu manifestieren und sich an jedem noch so kleinen Stück Depeche Mode zu erfreuen. Kassetten wurden wie Heiligtümer gehandelt. Neue Maxi´s wurden im kleinen Kreis fanatisch gefeiert. Das die Band dann auch zum Lebensbegleiter wird, konnte man damals (noch) nicht absehen. Dazu fehlte vielen bis 1989 ein vollständiger Überblick zum damaligen Gesamtwerk und die einzige Amiga Veröffentlichung bot „nur“ einen kleinen Einblick in das, was eventuell noch kommen sollte. Um 1988 schossen Depeche Mode Fanclubs aus dem Boden. Leipzig, Dresden, Annaberg, Karl-Marx-Stadt, Zwickau - fast jede größere Stadt hatte einen eigenen oder sogar 2 Fanclubs. Die Fankultur wurde auch durch eine gewisse Öffnung der DDR angeschoben. (siehe „Mein Sommer ´88) Die Informationen zur Band wurden dichter und besonders die Kontakte nach Berlin als großen Umschlagplatz der Szene etablierte sich auch als Quelle für den „Süden“. Im Rahmen des DDR Konzertes 1988 sind sogar Kontakte zwischen dem Karl-Marx-Städter und einem Schweizer Fanclub bekannt. Bei unseren eigenen Recherchen zu den Fanclubs, sammelten wir zahlreiche Fanzines aus den verschiedenen Regionen. Umso erstaunter waren auch wir über das enorme Spektrum an Informationen zur Band und deren Veröffentlichungen. Darunter auch zu Bootlegs, sehr vielen Geschichten und Interviews, die unter den damaligen Umständen nicht erreichbar hätten sein können – aber es doch irgendwie waren. Auch die Kontaktaufnahme zwischen den Fanclubs und die Versuche das Management und Label zu kontaktieren, sind phantastisch zu lesen. Zugegeben ist der Aufwand heute eine geringerer und die Reichweite durch das Medium Internet ungleich größer. Daher wissen wir den damals betriebenen Aufwand - von Gestaltung bis zur Vervielfältigung - sehr zu schätzen und können dies nur als echte Fan-Arbeit anerkennen. Uns verbindet jedenfalls die gleiche Leidenschaft, gepaart mit den vielen Erinnerungen aus der eigenen Jugend und auch ein wenig Ostalgie mit jener Zeit und dieser Musik. Depeche Mode ist und bleibt für viele von uns eine unauslöschliche Konstante im Leben und die Faszination ist ungebrochen.